2008_Reutlingen


Erfahrungsbericht von Rainer  vom 11.07.2008

Guten Abend meine lieben Freunde,

ich schreibe Euch diese Mail, denn es gab einen Unfall!
Aber keine Sorge wir sind alle wohl auf und niemand wurde verletzt

Doch nun fange ich erst mal ganz vorne an...
Wir Tempora Mutamus Mittelaltergruppe sind gestern nach Reutlingen mitten in die Innenstadt gefahren, um auf einem Mittelaltermarkt zu lagern. Der Platz entsprach nicht wirklich unseren Erwartungen an ein schönes, gemütliches Lager, denn es war sehr beengt in der Stadtmitte und der Boden war sandig und fast steinhart. Wir entschieden uns jedoch diese Herausforderung anzunehmen und stellten unsere Zelte und Sonnensegel auf, indem wir dem Boden Löcher durch vorbohren abrungen. Der erste Abend auf dem Mittelaltermarkt Reutligen 2008 neigte sich dem Ende zu, und wir beschlossen alle in unsere Zelte zu gehen und zu schlafen.
Am nächsten Morgen schien die Sonne wunderschön von einem nahezu wolkenlosen Himmel, und es versprach ein wunderschöner Tag zu werden. Wir genossen die schöne Sonne und die Wärme, schauten uns kurz auf dem Markt um und gingen dann zum Schausitzen etc über. Am Nachmittag erhielten wir dann noch unsere "Überlebensration" Nahrung (3 Hühnchen, riesige Zwiebeln, Karotten, ca. 50 Eier, Äpfel und Bananen). Wir beschlossen eine wunderbare Hühnersuppe zu kochen und platzierten die 3 Hühner mit viel Wasser und den Zwiebeln in unserem Topf, den ich anheizte.
Gleichzeitig hatten wir jedoch noch unseren Zubertermin, den wir gerade noch um 16 Uhr ergattert hatten. Wir gingen also mit jeweils einem Handtuch bewaffnet zum Zuberer und ließen unser Essen in der Obhut von unserem Nachbarlagern.
Der Zuber war wunderbar warm, es gab Luther Wittenberger Likör, und wir genossen die wunderbare Zeit. Der Zuber war erhöht auf einem Wagen aufgebaut, so daß wir einen sehr guten Blick über einen Teil des Lagers von Reutlingen hatten. Unser eigenes Lager konnte man auch sehr gut sehen; vor allem auch Calles' neubemaltes Banner auf dem Zelt.
Nach einiger Zeit im Zuber sahen wir dunkle Wolken aufziehen, und es blitzte auch bereits in der Ferne. Wir waren jedoch noch guten Mutes, denn die meisten im Zuber beobachten gerne solche Naturschauspiele. Dann veränderten sich die Wolken jedoch von einer pechschwarzen Farbe in ein Gelbgrün, und wir machten uns bereits Gedanken, was dies wohl heißen möge. Es fing an zu regnen, und der Wind aus dem Westen wurde auch stärker. Dann ging das Schauspiel jedoch richtig los, denn der Wind erhob sich wohl schon bis Orkanstärke, und die dicken Regentropfen schlugen uns im überdachten Zuber waagerecht ins Gesicht. Wir versuchten hinter der Zuberwand Schutz zu suchen, was uns auch gut gelang, wir konnten unsere Blicke jedoch nicht von unserem Lager lassen, doch in dieser Schutzposition konnten wir es nicht mehr sehen. Als wir uns nach wenigen Sekunden erhoben, um gegen die vom Wind gepeitschten Regentropfen anzusehen, bemerkten wir bereits, wie Teile der Lager sich den Wind und Regenmassen nicht widersetzen konnten und enweder zerberstend in sich zusammenfielen oder ächtsend in den Seilen gegen den Wind und die Wassermassen ankämpften. Unser Sonnensegel konnte man bereits nicht mehr sehen, und 3 unserer 7 Zelte waren ebenfalls in sich zusammengefallen. Wir stürmten also splitterfasernackt aus dem Zuber, jeder griff sich sein Handtuch, banden es in Windeseile um die Lenden oder andere zubedeckende Stellen und rannte die 50m zu unserem Lager gegen den aufbrausenden Sturm. Mittlerweile hatten sich die Regentropfen verfestigt und fielen als ca. fingernagelgroße Hagelkörner vom Himmel, wie Geschosse gegen unsere Körper.
Als wir in unserem Lager angekommen waren, bot sich uns ein Bild der Verwüstung, denn überall war Wasser, das den Sandboden aufgeweicht hatte und nun braune Fluten in unser Lager rollte. Das Zelt, in dem ich schlief, stand noch mit der dem Lager zugewandten Seite und schien dem Regen, Hagel und vor allem auch dem Sturm zu trotzen, doch die sturmzugewandte Seite des 8m breiten Zeltes lag teilweise schlaff über unserer Schlafstätte. Wir eilten natürlich in das Zelt, um noch zu retten, was zu retten war, doch es war bereits zu spät, denn der Sturm hatte uns die Balken und vor allem die Scharniere, die die Dachbalken mit den Seitenwänden des Zeltes verbanden, zerborsten und die sturmzugewandte Seite öffnete sich dem Wind und den himmlischen Wassermassen. Wir versuchten gleich wenigstens das Zelt zu stabilisieren, und jeder griff sich einen der beiden Hauptmasten des Zeltes. Wir hoben die beiden Masten mit aller Gewalt gegen die immensen Kräfte des Sturmes, der drohte die Balken zu brechen. Bei dieser Aktion lockerte sich das nun bereits mit Regenwasser vollgesaute Handtuch um meine Hüften und rutschte mit einem Pflatsch herunter, so daß ich splitterfasernackt in dem Zelt stand und die Stange (die Zeltstange,...) hielt. Unsere Lagerchefin kam kurze Zeit später ebenfalls in unser Zelt und sah mich in meiner mißlichen Lage, während ich die Stange weiterhin hielt und griff das Handtuch und bedeckte meine Blöße wieder. Da wir einen Bruch der beiden tragenden Stangen unseres Zeltes nicht riskieren wollten, beschlossen wir, das Zelt abzulegen, so das der Sturm über das Zelt fegen konnte, es aber nicht mehr angreifen konnte. Kaum hatten wir das Zelt abgelegt, flaute der Sturm und der Regen ab, und wir konnten uns ein Gesamtbild dieser Zerstörung (immer noch in unseren Lendenschürzen) machen.
 
Uns bot sich ein Bild der Verwüstung, denn insgesamt haben die Hälfte unserer Zelte dieses Unwetter nicht überstanden. Das Zelt, indem ich schlafe, hat es am Härtesten getroffen, denn einige Stangen und Scharniere sind geborsten und vollkommen zerstört. Aber auch die noch stehenden Zelte haben diese Tortur nicht unbeschadet überstanden. Sie standen zwar äußerlich bis auf Verunreinigungen noch wie eine 1, jedoch hatten sich die Wassermassen auf dem leicht abschüssigen Gelände mehrere Wege gesucht, die meistens mitten durch die Zelte gingen, so daß alle Habseligkeiten, die in den Zelten den Regen trocken überstanden hatten, nun von unten naß wurden. In meinem Zelt stand das Wasser, das die braunen Drecksfluten mitgebracht hatte, ca. 20cm hoch und alles war pitschnaß und teilweise verschlammt. Wir versuchten das Nötigste zu unternehmen, damit die wertvollsten Dinge schnell aus dem schädlichen Naß gebracht wurden, doch Calles Foto und ihr Handy schwammen bereits in einer Schüssel einig nebeneinander...
Nun war also Aufräumen angesagt, und so fingen wir an, dieses Trümmerfeld zu leeren. Ich wollte jedoch mein klatschnasses Handtuch, das immer noch um meine Hüften gespannt war, gegen etwas bequemeres eintauschen, und ging wieder zum Bader, wo sich immer noch meine Kleidungsstücke befanden. Ich reinigte meinen vom Schlamm, Laub und anderen Dingen verunreinigten Körper und zog mir meine Unterhose, die ich von Calle zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte, an.
Von meiner erhöhten Position des Zubers konnte ich auch einmal in die Runde schauen, und nicht nur wir hatten schwere Verluste zu verzeichnen, auch andere Lager hatten einges an Zelten, Sonnensegeln etc. eingebüßt. Der Fellhändler hatte sogar einen Totalverlust, denn sein kompletter Lagerbestand war zerstört. Auf der anderen Seite meines Rundblickes sah ich nun auch die Echaz, die durch die von den Hängen, Straßen und Gebäuden abfließenden Wassermassen schnell anschwoll. Vorher, als wir arglos im Zuber saßen, war der Bach ca. 10m entfernt, doch nun schwoll er stetig und wehemend an, so daß der Bader Angst um seinen Zuber bekam. Ich half Ihm beim Abbauen der ganzen Vorkonstruktion und dann zogen wir den Wagen mit ca. 15 Männern in höheres Gelände, und der Marktveranstalter bot die Hilfe seines Geländewagens an, der den Hänger, mitsamt des immer noch mit Wasser gefüllten Zubers, weiter den Bereg hinaufzog. Doch der Bach schwoll immer noch weiter und weiter an und andere Lager, die ebenfalls in der Nähe des Baches Position bezogen hatten, kamen in Bedrängnis. Also eilten wir nun zu diesen Lagern und brachten alle Gegenstände incl. Zelt etc. ebenfalls in höheres Terrain in die Nähe unseres Lagers. Wir hatten ca. 30m entfernt und ca 3m oberhalb des Baches unser Lager bezogen und am Höhepunkt des Anschwellens war das braun schäumende Wasser nur noch ca. 5m und wenige cm in der Höhe von dem Zelt von Calle entfernt. Nun floß nicht nur das Wasser von weiter oberhalb des Hügels durch Calles' Zelt, nein, nun bedrohte die Echaz ihr Zelt von der anderen Seite ebenfalls. Zum Glück konnte der Marktleiter die Verantwortlichen der Steuerung des Stauwehres flußabwärts erreichen, und sie dazu bewegen, das Wehr zu öffnen.  Somit stieg das Wasser der Echaz nicht weiter an. Wir hatten in dieser Hinsicht noch Glück gehabt. Die Gruppen, die jedoch weiter unten gezeltet hatten, standen nun bis zum Bauch im Wasser. Zum Glück waren Ihre Zelte und Habseligkeiten aus der nun starken Strömung des sonst friedlich dahinplätschernden Baches gebracht worden.
 
Die Aufräumarbeiten haben sich noch lange hingezogen, und ich hatte keine trockenen Dinge mehr. Somit habe ich dann die ganzen Notbergemaßnahmen in meiner Unterhose vollbracht und später habe ich dann von Lagergenossen trockene Kleidung erhalten. Da fast alle Sachen komplett durchnäßt sind, konnten wir auch nicht alle Dinge abtransportieren, denn die vollgesogenen Stoffe werden so schwer, daß das Auto diese Last nicht mehr verkraften würde. Somit sind ein paar Leute heimgefahren und haben bereits einiges mitgenommen zum Waschen und trocknen. Ich bin auch zuhause und schreibe nun diese Mail an Euch. Ich habe bereits 3 Waschmaschinenladungen gewaschen, und es werden morgen noch weitere dazukommen
 
Alles in allem hätten wir von Anfang diesen unsympathischen Markt nicht besuchen sollen. Wenigstens ist uns allen nichts passiert; wir leben noch und sind nur durchnäßt. Bis auf materiellen Schaden ist uns also nichts zugestoßen.
 
Ich wünsche Euch allen noch ein schönes, trockenes Wochennede
 
Viele liebe Grüße,
Rainer

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